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Health Report 2020

Europa fordert die gesetzliche Impfpflicht

STADA Health Report 2020: Studie mit mehr als 24.000 Befragten in zwölf europäischen Ländern zum Thema „Europa auf dem Weg in die Zukunft der Gesundheit“ – inklusive Corona-Spezial mit mehr als 6.000 Befragten in sechs Ländern. 61 Prozent der Europäer sind mit der medizinischen Versorgung während der Corona-Pandemie zufrieden. Beim Blick in die Zukunft herrscht aber eher Pessimismus vor: 36 Prozent erwarten eine Finanzkrise, 40 Prozent haben Angst um ihren eigenen Job. 

Dr. Shari Langemak im Interview

Der STADA-Zukunftsindex zeigt: Die Bereitschaft zur Behandlung per Webcam ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. Werden wir künftig nur noch vom heimischen Sofa zur Sprechstunde aufgerufen?

Dr. Langemak: Die Corona-Pandemie wirkt auf die Telemedizin wie ein Katalysator. Noch vor ein paar Wochen war die Videosprechstunde in Deutschland vor allem etwas für Ärzte und Patienten, die neuer Technik generell offen gegenüber sind. Durch die Pandemie waren plötzlich viel mehr Menschen dazu gezwungen, sich damit auseinanderzusetzen. Die Videosprechstunde ist kein Nischenprodukt mehr, sondern wird zunehmend als Alternative zum Arztbesuch wahrgenommen. Ich glaube, dass die während der Pandemie gesammelte Erfahrung viele der einstigen Vorbehalte beseitigen konnte. Das heißt allerdings nicht, dass der Besuch beim Arzt gänzlich ersetzt wird. Dies kann und soll die Telemedizin gar nicht leisten.

Viele Europäer haben dennoch einzelne Bedenken, wenn es um die Digitalisierung ihrer Gesundheitsdaten geht. Müssen wir den „Sprung ins kalte Wasser“ einfach wagen?

Dr. Langemak: An der Digitalisierung führt kein Weg vorbei. Ob bei der Entwicklung von effektiveren und personalisierten Medikamenten oder der Vorhersage und Eindämmung künftiger Epidemien: Wir brauchen mehr und bessere Forschungsdaten und -analysen. Dafür müssen wir aber zwei Voraussetzungen schaffen: eine maximal mögliche Datensicherheit gewährleisten und die Nutzer und Bereitsteller von Daten informieren, welchen potenziellen Risiken sie sich durch die Datenfreigabe aussetzen. Für beides gibt es auf deutscher bzw. europäischer Ebene bereits ein gutes rechtliches Grundgerüst. Dass dieses aber im Einzelfall nicht immer genügt, zeigt die aktuelle Debatte zu Corona-Tracking- bzw. Tracing-Apps.

Müssen wir also auch anfangen, Gesundheit globaler zu denken?

Dr. Langemak: Derzeit stehen wir mit Corona vor einer nie dagewesenen globalen Herausforderung im Gesundheitswesen. Diese versetzt uns in die einzigartige Situation, effektiv zusammenarbeiten zu müssen, um dieser Pandemie wieder Herr zu werden. Die enge und systematische Zusammenarbeit von Forschungszentren auf der ganzen Welt ist für die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs essenziell. Dazu gehört neben dem wissenschaftlichen Austausch auch das gemeinsame Nutzen von Forschungsdaten. Auch wenn sich die Gesundheitssysteme und -ressourcen international unterscheiden, so sind wir dennoch vielfach mit den gleichen gesundheitlichen Problemen konfrontiert. Dazu gehören nicht nur Virus-Pandemien, sondern auch chronische Erkrankungen, Krebserkrankungen und gesundheitliche Folgen durch Umweltbelastungen wie Feinstaub und Klimawandel. Diese Herausforderungen können nicht in einem nationalen Kontext allein gemeistert werden.

Darüber, ob sich die Corona-Pandemie im Voraus abgezeichnet hat, wird viel diskutiert. Tatsache ist: Gesundheitssysteme in vielen Regionen der Welt wurden teilweise an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht. Was lernen wir daraus?

Dr. Langemak: Gesundheitspolitische Empfehlungen überlasse ich lieber den Experten aus dem entsprechenden Fachbereich. Aber wir beobachten derzeit, wie essentiell wichtig – sogar überlebenswichtig – Innovation im Gesundheitswesen ist. Dazu gehören:

  • Erfolgversprechende Innovationen im Gesundheitswesen müssen nicht nur schneller erkannt, sondern auch nutzbar gemacht werden, indem sie etwa frühzeitig in die Regelversorgung aufgenommen werden. Vor allem Startups, einer der wichtigsten Motoren für Innovation, brauchen Unterstützung.
  • Um Krankheiten besser und schneller zu bekämpfen bedarf es einer immensen Datenquelle. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens mit der Einführung der digitalen Patientenakte hat das Potenzial, diesen Datenbedarf künftig besser zu decken. Dazu bedarf es einer besseren IT-Infrastruktur – auf nationaler und europäischer Ebene.
  • Patientenzentrierte Kommunikation und Aufklärung sind geradezu überlebenswichtig, um künftige Pandemien zu verhindern. Dabei ist entscheidend, auf Augenhöhe mit den Menschen zu kommunizieren und sie in gesundheitspolitische wie auch individuelle Entscheidungen einzubinden.

 

 

Apropos Kommunikation: Zwei von drei Europäern sorgen sich um antibiotikaresistente Keime, aber weniger als die Hälfte weiß, dass Antibiotika ausschließlich Bakterien bekämpfen. Was bedeutet diese Unwissenheit?

Dr. Langemak: Eine bessere gesundheitliche Aufklärung ist eine der wichtigsten Maßnahmen, um die Gesundheit vieler Menschen zu verbessern und so Kosten zu senken. Diese Erkenntnis ist allerdings noch recht neu, denn für lange Zeit hat sich in der Medizin ein System etabliert, in dem allein der Arzt über das gesamte medizinische Wissen verfügt. Das ist nicht nur aus Sicht der Selbstbestimmung für Patienten äußerst problematisch. Wenn wir wollen, dass sich mehr Menschen gesundheitsförderlich verhalten, dann müssen wir ihnen auch besser erklären, wie und warum sie das tun sollten. Das Wissen über Antibiotika ist dafür ein hervorragendes Beispiel. Die übermäßige beziehungsweise falsche Einnahme bietet den Nährboden für gefährliche Resistenzen.

Ein „Nährboden“ für Krankheiten sind natürlich auch die Gene. In Europa herrscht noch Unklarheit darüber, dass Gene den Ausbruch bestimmter Krankheiten wie Osteoporose begünstigen können. Gleichzeitig herrscht Skepsis gegenüber Gentherapien. Wie beurteilen Sie diesen Zusammenhang?

Dr. Langemak: Eine gute Aufklärung im Bereich Gentherapie gehört zu den wichtigsten Herausforderungen der kommenden Jahre. Die noch recht neue CRISPR-Cas9-Methode hat Veränderungen im Erbgut – das sogenannte Gen Editing – wesentlich einfacher und effektiver gemacht. Damit wächst die Hoffnung für eine Heilung für Krankheiten, die bislang nur schwer oder gar nicht behandelbar waren. Erste Erfolge gibt es bereits bei der Behandlung von Bluterkrankungen wie der Sichelzellenanämie. Der Austausch defekter Gene ist prinzipiell auch bei anderen genetisch bedingten Erkrankungen denkbar. Es könnte auch möglich werden, Krankheiten und erhöhte, genetisch bedingte Gesundheitsrisiken vorgeburtlich zu behandeln. All das wirft natürlich erhebliche ethische Fragen für das Individuum wie auch die Gesellschaft auf, die nur in einer Kombination aus verbesserter Aufklärung und einem gesamtgesellschaftlichen Diskurs beantwortet werden können.